Die Geschichte der Familie Koczian aus Hohenmauth

Inhalt (alphabetisch):
Geschlechtswappen Kotzian von KronenfeldFranz Thomas und Anna Koczian
Friederike Gräfin Dubský und der Sternkreuzorden
Gaston d’Orléans
(Baron) Gustav (von) Koczian(-Miskolczy), Teil 1

Teil 2
Teil 3
Teil 4

Hugo Koczian und sein Weg zum Titel
Karl Koczián (von Blasócz)
Karl Koczian, der Phantasiebegabte
Karl Koczian – ein plötzlicher Aufstieg
Maria Anna Barbara von Thurn und Taxis
Marie Freifrau Ebner von Eschenbach
Rudolph Edler von Koczian

Eigentlich wollte ich ja nur ein paar Familienmythen nachgehen, von denen mir meine Großmutter Elfriede Greil, geb. Koczian, als Kind erzählt hatte – mehr nicht. Ahnenforschung ist langweilig, dachte ich mir. Ich behielt unrecht.

Vorbemerkungen:
  • Die Schreibweise der Namen ist ein Problem für sich. Die Familie Koczian schreibt sich wahlweise (und je nach Quelle) auch “Kotzian”, “Kocyan”, “Kocián”, “Kosian”, “Kocijan” mit und ohne Prädikat “von Kronenfeld”, “von Kronfeld”, “z Kronfeldu”, “z Kronenfeldu”. Dazu kommen bei Frauen noch die im Tschechischen üblichen weiblichen Endungen, z.B. “Kociánová”. Bei der Schreibweise der Vornamen habe ich mich weitgehend an die deutsche Version gehalten, auch, wenn öfter in den Quellen die tschechische oder gar die lateinische verwendet wird.
  • Bei den Ortschaften verwende ich meist den historischen (deutschen) Namen, ggf. zusätzlich den heutigen (tschechischen).
  • Die hier angeführten Familienmitglieder sind natürlich nur ein kleiner Ausschnitt der gesamten Sippschaft. Meine “Sammlung” der Nachfahren von Wenzel und Katharina Koczian umfasst (einschliesslich deren Partnerinnen und Partnern) derzeit schon weit über 800 Personen. Wer sich dafür interessiert möge sich mit mir auf MyHeritage in Verbindung setzen, dort verwalte ich den Hauptteil der Daten. Ich bemühe mich auch, die Nachkommen aus den weiblichen Linien zu erfassen, was aber natürlich ungleich schwieriger ist. Für Hinweise bin ich mehr als dankbar!
  • Die Quellen werden im Text aus Gründen der Lesbarkeit meist nicht extra angeführt. Es handelt sich dabei hauptsächlich um eine unveröffentliche Familienchronik (“Deduktion”), einen Artikel aus der genealogischen Fachzeitschrift “Der Adler”, eine handgezeichnete Ahnentafel (ebenfalls aus Familienbesitz), viele Funde in tschechischen Kirchenbüchern (hauptsächlich via familysearch.org), umfangreiche Akten aus den Staatsarchiven in Wien und Prag, Adreßbucheinträge, Briefe, Zeitungsartikel, mündliche Informationen von Familienmitgliedern u.v.A.m. Bei Interesse stehe ich gerne für nähere Auskünfte zur Verfügung. Bei widersprüchlichen Angaben in den Dokumenten wählte ich die mir am wahrscheinlichsten erscheinende Variante – Irrtümer sind ausdrücklich nicht ausgeschlossen.
  • Die Geschichte ist “work in progress”, wenn es meine Zeit erlaubt werde ich weitere Puzzleteile hinzufügen und vorhandene korrigieren oder erweitern. Ich freue mich über neue Kontakte zu Verwandten und Forschern und Forscherinnen, die Fragen haben oder dazu etwas beitragen möchten! Meine Kontaktinformationen
Wie alles begann…

Dies ist die stark gekürzte Fassung der Geschichte der Nachfahren von Wenzel und Katharina Koczian aus Hohenmauth in Ostböhmen, dem heutigen Vysoké Mýto. Ich beschränke mich in meiner Darstellung auf einige – aus meiner Sicht – bemerkenswerte Ereignisse und Figuren sowie auf die familiären Zusammenhänge über die Jahrhunderte hinweg. Insbesondere das Thema der Zugehörigkeit zum Adel taucht in mehreren Varianten immer wieder auf und bildet einen roten Faden durch diese verzweigte Geschichte.

Woher Wenzel und Katharina ursprünglich kamen ist unbekannt. Der Familienchronik nach wurde Wenzel Koczian (* ca. 1520) von Kaiser Ferdinand I. im Jahre 1547 als einer von 12 Gerichtsschöppen ins 200 km entfernte Leitmeritz (Litoměřice) berufen. Er starb 1572, seine Witwe Katharina lebte noch zumindest bis 1597. Die beiden hinterließen drei Söhne: Nikolaus (ca. 1545-1599), Johann (ca. 1564-1584) und Tobias (†1619). Tobias Koczian war 1612 bis 1619 Ratsherr von Hohenmauth.

Nikolaus Koczian war mit Magdalene verheiratet und hatte mit ihr drei Söhne: Nikolaus (†1599), Jakob (ca. 1570-1635) und Heinrich (†1629). Vater und Sohn Nikolaus starben 1599 in Prag an der Pest. Die Witwe heiratete ca. 1600 den Priester(?) Georg Hanuš von Kronenfeld aus Landskron (auch: Jiří Hanuš Landškrounský z Kronenfeldu, †1614), der in der Geschichte der Familie noch eine seltsame Rolle spielen sollte.

Hier beginnen bereits die ersten Schwierigkeiten, denn die obige Version wird zwar in der familieninternen “Deduktion” beschrieben, kann allerdings durch die vorliegenden Dokumente nicht erhärtet werden. Gesichert ist nur, dass Jakob einen Bruder namens Nikolaus, eine Mutter namens Magdalene und einen Stiefvater namens Georg Hanuš von Kronenfeld hatte. Die väterliche Herkunft ist weitgehend spekulativ.

Jakob Koczian kaufte 1594 seinem späteren Stiefvater Georg Hanuš von Kronenfeld sein Haus am Marktplatz von Hohenmauth ab. Jahrzehnte später wird sein Enkel Karl Franz behaupten, dass Jakob am 13. November 1600 mit dem Prädikat “von Kronenfeld” in den Adelsstand erhoben wurde. Was das mit dem Haus und dem nachmaligen Stiefvater zu tun haben soll ist unklar. Eine mögliche Version besteht darin, dass er von seinem Stiefvater adoptiert und so zu einem “Jakob Koczian von Kronenfeld” wurde. Es liegen aber keinerlei Dokumente vor, die diese Ansicht erhärten würden – insbesondere hat er sich auch selbst anscheinend nie so genannt.

Sicher ist aber, daß Jakob Karriere machte, nachdem er 1625 in den Schoß der katholischen Kirche zurückgekehrt war: 1626 wurde er Stadtprimas und 1627 kaiserlicher Richter zu Hohenmauth. Er starb 1635 und hinterließ die Söhne Bohuslaw (ca. 1601-1656), Jakob, Georg (1603-1666) und Adam.

Bohuslaw Koczian heiratete am 18. April 1627 eine Katharina. Er brachte es wie sein Vater zum Stadtprimas von Hohenmauth. Bohuslaw und Katharina hatten zwei Söhne: Friedrich (*18.2.1633) und besagten Karl Franz.

Karl Koczian – ein plötzlicher Aufstieg

Karl Franz Koczian wurde am 3. August 1636 geboren. Er heiratete am 26. Juni 1656 Magdalena Mollir (auch: Moller) aus Landskron (Lanškroun) und ließ sich als “Karol Franc Kocyan z Kronfeldu” ins Heiratsregister eintragen:

Heirat Karl Franz Koczian und Magdalena Mollir

Angeblich wurde die Nobilitierungsurkunde, auf die er sich berief, beim Brand von Hohenmauth im Jahre 1774 vernichtet. Es konnte aber bis heute keine Kopie davon aufgefunden werden und sämtliche mir bekannten Quellen bezweifeln, dass es diese Nobilitierung jemals gegeben hat. Viel spannender ist aber die Frage, was die Nachfahren des Karl Franz mit diesem Wissen getan haben – davon handelt diese Geschichte.

Karl Franz Koczian von Kronenfeld
Karl Franz Koczian von Kronenfeld

Wie auch immer: Karl Franz Koczian von Kronenfeld wurde Bürgermeister von Hohenmauth, hatte zwei Söhne (Franz Anton und Johann der Jüngere Christian Christof) und vier Töchter (Maria, Regina, Katharina, verehel. Kopecky und Sofie Johanna, verehel. von Gemma), trat 1668 unter einem Oberst Kapaun in den Militärdienst ein und zog in die Niederlande. Nach einer Version starb er am 22.9.1694 in Hohenmauth, was aber durch die Kirchenbücher nicht belegt werden kann. Nach einer anderen Version kämpfte er im Spanischen Erbfolgekrieg (1701-1714) und kam dort zu Tode – wobei er damals allerdings schon weit über 60 Jahre alt gewesen wäre.

Magdalena Koczian von Kronenfeld (geb. Mollir)
Magdalena Koczian von Kronenfeld (geb. Mollir)

Seine Frau Magdalena verschwand 1680 spurlos aus Hohenmauth.

Die Geschichte des Karl Franz Koczian ist jedenfalls seltsam, insbesondere auch, wenn man sich vergegenwärtigt, in welchen kurzen Zeiträumen sich die Ereignisse abspielten. Als er sich anlässlich seiner Hochzeit den adeligen Namen eintragen ließ war er 19 Jahre alt. Seine sechs Kinder kamen in rascher Abfolge zwischen 1658 und 1667 zur Welt. 1665, mit 29 Jahren, war er bereits Bürgermeister (eventuell auch schon früher) und drei Jahre später verlässt er seine Frau und seine kleinen Kinder, um in die Niederlande zu ziehen. Warum seine Frau 12 Jahre später verschwindet und ihre sechs Kinder (drei davon noch minderjährig) ebenfalls zurücklässt ist vollends mysteriös.

An dieser Stelle verzweigt sich die Familie und damit die Story jedenfalls zum ersten mal:

Franz Anton Koczian
Johann der Jüngere Christian Christof Koczian

(Seite zuletzt geändert und aktualisiert am 18.9.2016)

1 Kommentar

  1. Interessante Familiengeschichte!
    Viel Arbeit und Sachkenntnis nötig, alles herauszufinden.

    Ich bin keine Familinforschungs-Spezialistin, sondern normale Historikerin, Interesse Frühe Neuzeit. Einige Anmerkungen, die aber nur Vermutungen sind:

    1. Wenzel Koczian, der erste Erwähnte (1520), Schöffe, von Kaiser Ferdinand berufen.
    Erstens, muss er bereits ein angesehener und wohlhabender Bürger gewesen sein, aus einer guten Familie stammen, um zum Schöffenamt berufen zu werden. Zweitens, dafür spricht auch: Dass die Erwähnung überhaupt erhalten geblieben ist. Bei den meisten aus dem “normalen” Volk oder den “armen Leuten” lässt sich der Stammbaum in der Regel bur bis zum Dreißigjährigen Krieg (1618-1848) zurückführen. In diesem Krieg wurde so viel verwüstet und zerstört, und die Überlieferungen brachen ab. Für die meisten Ahnenforscher endet es da.
    Geht es mit einer Familie weiter zurück, könnte es ein indirekter Hinweise sein, dass die Familie “besser gestellt” war und Ämter bekleidete.

    2. Witwe Magdalene (die Ältere) heiratet in Zweiter Ehe den Priester Jiří Hanuš Landškrounský z Kronenfeldu.
    Priesterehe war durchaus denkbar um diese Zeit. Böhmen war vor der Gegenreformation bereits mehrheitlich evangelisch und reformiert …. Priester Heirat also OK. Erst nach 1620 und der Schlacht am Weißen Berg setzte die Habsburgische Gegenreformation mit aller Härte ein (auch Vorfahr Jakob bekehrte sich 1625 wieder zum Katholischen Glauben). Wahrscheinlich stand er auch vor der Wahl: Katholisch oder Konfiszierung des Besitzes, bzw. vielleicht sogar Ausweisung.

    3. Magdalena (II die Jüngere) “verschwindet” 1680 spurlos aus Hohenmauth.
    Da ist die Frage, ist irgendetwas bezeugt oder aufgeschrieben, von dem es heißt, sie “verschwand” oder “ging weg” ….?
    Sonst ist es wahrscheinlicher, dass sie einfach gestorben ist.
    Dass sie auf dem Porträt einen Apfel in der Hand hält, bedeutet etwas.
    Da kommt nicht eine einzige Bedeutung in Frage, sondern persönlicher Kontext. Vielleicht kann man da noch was finden. Familie mit Obstgarten-Ländereien Besitzungen? Anspielung auf Namen? Eheliche Liebe? Irgendetwas hat es mit dem Apfel auf sich.

    4. Generelle Schlussbemerkung
    Die “Adelsbemühungen” der Familie Koczian müssen auch im Kontext gesehen werden. Im 19. Jahrhundert wurde ja die Abgrenzung zu den Nicht-Adeligen immer aggressiver, und deshalb wird in der Gesichtschreibung das Graufeld zwischen Stadt-Patriziertum der Renaissance-Zeit und Frühen Neuzeit von der späteren stets gerne eingetrübt, nach dem Motto, tu, tu, das darf man aber nicht! Sich ja nicht adelig schreiben! Zu der Zeit und im Jahrhundert davor hat aber der Adel, vor allem östlich der Elbe (also in der Nähe) von der anderen Seite ganz schöne Übergriffe gemacht: Sie haben allen Bauern, die keine schriftlichen Urkunden präsentieren konnten, zu Leibeigenen herab gedrückt. Und manch einer der Adeligen war ursprünglich auch weit weg von Uradel, sondern ließ sich in diesen Jahrhunderten adelige Ansprüche verschriftlichen. Gerade bei den Junkern. Bei vielen ging es durch. Die Koczians als angesehen Bürgermeister, Schöffen und ganz klar Mittel- und Kleinstadt-Patrizier, machten da nichts anderes als auch jene Familien. Parallel dazu strukturierte die Reformation und Gegenreformation den Adel in Österreich / Böhmen massiv um. Sie versuchten ihr Glück, gerade jene Schicht war damals in Bewegung.

    Bitte meinen Kommentar nicht veröffentlichen – ist nur als informelle Anmerkung gedacht.

    Mit besten Grüßen

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.