Apr 032015
 

Im Nachlass einer entfernten Tante, die kürzlich fast 100jährig starb, fand sich natürlich auch die obligate Kiste mit Fotos von damals. Ich bin mit den Menschen auf den Fotos nur weitläufigst verschwägert, aber die Bilder sind zu gut, um sie der Nachwelt vorzuenthalten. Außerdem sind einige der Abgebildeten auch Personen der Zeitgeschichte. Und vielleicht gibt es ja noch Verwandte, die sich dafür interessieren…

Es handelt sich um Fotos von vier – untereinander verwandten – Familien aus dem alten Habsburgerreich. Der einzige mir bekannte Nachfahre lebt in Neuseeland, ihm habe ich die Originale der meisten Bilder überlassen.

Die Familie von Milde brachte einige bekannte Künstlerinnen und Künstler hervor, unter ihnen den Bariton Hans von Milde, seine Gattin, die Sängerin Rosa von Milde und deren Adoptivtochter, die Schriftstellerin und Frauenrechtlerin Natalie von Milde.

Über die Familie von Golitschek (eigentlich Golitschek Edle von Elbwart) kann ich leider nicht mit Informationen dienen, ebensowenig über die Familie Tschapek.

Herausragendstes Mitglied der Familie Rokyta war die Sopranistin Erika Rokyta. Ihr Vater Viktor Rokyta fiel im 1. Weltkrieg, ihr Stiefvater war Hugo von Koczian, der Bruder des hierorts bereits ausführlich beschriebenen Gustav von Koczian.

Albrecht und Anna Karasek waren die Großeltern mütterlicherseits von Erika Rokyta.

In besagter Kiste sind noch dutzende anderer Fotos, von denen ich vielen keine Namen zuordnen konnte. Wer Interesse daran hat kann mich gerne kontaktieren.

 

Nov 212014
 

Nach vier Monaten habe ich es endlich geschafft, das längst vergriffene Sippenbuch der Familie Ruisinger aufzustöbern. Es wurde nun – um es der Nachwelt zu erhalten – digitalisiert und indiziert. Solche Schätze darf man nicht verkommen lassen…

Zum Ruisinger-Sippenbuch

Mai 222014
 

Das „Europa der Völker“ ist eine Fiktion und ein Propagandabegriff. Das „Volk Europas“ wäre schon treffender, wie meine eigene Familiengeschichte zeigt.

Von (neu)rechten Gruppierungen wird gerne das angebliche „Europa der Völker“ als Vorwand dafür genommen, dass europäische Einheit und Einigung unmöglich, in irgendeiner Form „falsch“ und daher abzulehnen sind. Von der Gefahr der Durchmischung der Kulturen ist gerne die Rede und von der Aufrechterhaltung der eigenen kulturellen Identität. Auf der Website der „Identitären Bewegung Österreich“ liest sich das zum Beispiel so:

Identitär zu sein heißt für uns, mit vollem Einsatz für den Erhalt unserer ethnokulturellen Identität einzutreten. Unsere Identität ist für uns das Zusammenspiel aus unserer tradierten Kultur, unserem Bewusstsein, eine homogene, verwandte Gemeinschaft zu sein sowie der gemeinsamen Erinnerung an ihren Weg durch die Zeit.

(…)

Aus diesem Bewusstsein folgt die Erkenntnis um die Vielfalt der Identitäten, die Welt der tausend Völker und Kulturen, die je ihre eigene Geschichte, ihr eigenes Schicksal und ihre eigene Sprachwelt haben.

Die Fiktion besteht also anscheinend darin, dass Europa aus lauter einzelnen Völkern besteht, die eigentlich nicht viel miteinander zu tun haben und im besten Fall friedlich miteinander koexistieren und vielleicht noch ein bisschen Tourismus und Handel treiben. Dieses „Europa der Völker“ sei nun durch den europäischen Einigungsprozess gefährdet und alle möglichen unangenehmen Entwicklungen (die ich jetzt nicht einzeln aufzählen möchte) seien die Folge.

Einer der Stehsätze der Familienforschung besteht darin, dass, wenn man nur weit genug zurückgeht, ohnehin jeder mit jedem verwandt ist – spätestens bei Adam und Eva. Das ist allerdings auch nicht besonders hilfreich.

Ich habe mir daher meine eigene Familiengeschichte näher angesehen um herauszufinden, zu welchem „Volk“ ich eigentlich gehöre. Und ich musste nicht bis zu Adam und Eva zurückgehen um zu erkennen, dass genau dieses „Volk“ eine reine Fiktion darstellt. Kulturelle Identitäten wechseln oft schon innerhalb einer Generation und die Herkunft der Großmutter ist in den Köpfen der Enkerln nur noch eine Familienlegende, nicht mehr.

Die Wanderungen meiner Vorfahren (click for Google Maps)

Die Wanderungen meiner Vorfahren (click for Google Maps)

Ich gehe also nur vier Generationen zurück, zu meiner Ururgroßmutter. Sie stammte aus dem Aargau in der Schweiz, heiratete in Hohendorf-Neugattersleben (Sachsen-Anhalt) einen aus Böhmen stammenden Lokomotivführer und brachte dort auch meine Urgroßmutter zur Welt.

Diese Urgroßmutter heiratete in Brod (Kroatien) einen aus Brumov in Mähren gebürtigen Postbeamten, meinen Urgroßvater. Seine Eltern stammten aus Klosterneuburg (Niederösterreich) und aus Hohenmauth in Böhmen und lebten in Brünn (Mähren). Mein Urgroßvater war an unterschiedlichen Orten am Balkan stationiert, seine beiden Söhne kamen in Tuzla (Kroatien) zur Welt, seine Tochter (meine Großmutter) in Sarajevo (Bosnien).

Diese Großmutter ging nach dem Ende der Monarchie mit ihren Eltern nach Wien und heiratete dort einen aus Dölsach in Osttirol gebürtigen Polizeibeamten, meinen Großvater.

Mein Vater kam in Wien zur Welt und war folgerichtig – ein echter Wiener.

Die mütterliche Seite meiner Familie stellt sich ähnlich dar. Ein Ururgroßvater wanderte aus Gajary, einem ungarischsprachigen Dorf in der Slowakei (damals zu Ungarn gehörend), nach Wien aus. Die anderen Vorfahren aus seiner Generation waren zwar alle schon in Wien geboren, aber deren Eltern kamen ebenfalls aus vielen Teilen der Monarchie: aus kleinen Dörfern in Böhmen, aus Schlesien, aus Mährisch-Schlesien, aus Mähren, aus dem Weinviertel und aus dem Mühlviertel.

Meine Mutter ist also ebenfalls eine echte Wienerin – wäre sie nicht aus einem historischen Zufall in Steyr in Oberösterreich auf die Welt gekommen.

Kurz zusammengefasst: Meine „Volkszugehörigkeit“ (nach heutigen Staaten) erstreckt sich von der Schweiz über Deutschland, Polen, Tschechien und die ethnischen Ungarn der Slowakei, bis nach Bosnien und Kroatien und endet in Tirol, Oberösterreich, Niederösterreich – und Wien.

Was war nochmal das „Europa der Völker“?

Feb 162014
 

Marktplatz Hohenmauth Panorama

Dieses Blog unterbricht seinen Tiefschlaf für eine kurze Durchsage:

Ich beschäftige mich ja seit einigen Jahren mit Familienforschung und das Thema hat mich mittlerweile so in Beschlag genommen, dass ich kürzlich mit Freunden und Partnern die GenSoup GmbH aus der Taufe gehoben habe. Bei GenSoup arbeiten wir an der Erstellung einer neuartigen Plattform für Online-Genealogie – mehr wird jetzt noch nicht verraten!

Marktplatz Hohenmauth

Der Marktplatz von Hohenmauth in Ostböhmen, dem heutigen Vysoké Mýto

Wie auch immer, so lange es GenSoup noch nicht gibt muss ich auf andere Plattformen ausweichen, und das eigene Blog ist dafür keine schlechte Basis. Daher freue ich mich, nun erste Ergebnisse aus meiner eigenen Familienforschung präsentieren zu können, die Geschichte der Familie Koczian aus Hohenmauth.

Die Koczians sind die Familie meiner Großmutter väterlicherseits und haben über die Jahrhunderte viele Geschichten und interessante Charaktere hervorgebracht, deshalb widmete ich ihnen einen großen Teil meiner bisherigen Recherchen. Weitere Geschichten folgen, wenn es meine Zeit erlaubt – auch über andere Familien gibt es viel zu sagen!

Bevor ich aber neue Projekte angehe werde ich erstmal die Koczian-Story noch weitererzählen. Insbesondere über das Leben von Gustav (ein Cousin meines Urgroßvaters) ist noch lange nicht alles gesagt. Stay tuned for updates!