Gustav, Teil 3: 1918-1932

 
Ossi Oswalda

Ossi Oswalda

Ossi Oswalda, der Stummfilmstar

Am 20. November 1919 heiratete Gustav von Koczian den Stummfilmstar Ossi Oswalda (eigentlich Oswalda Stäglich, 2.2.1896-7.3.1947). Er lebte damals immer noch als „Generalrepräsentant für Deutschland“ der Wiener Spedition Schenker & Co. in Berlin. Oswalda war einer der Lieblingsstars von Ernst Lubitsch und spielte von 1916 bis 1920 in etwa einem Dutzend seiner Filme mit. 1921 gründete sie ihre eigene Produktionsgesellschaft, die „Ossi-Oswalda-Film“ in Berlin. Als Geschäftsführer dieser Firma fungierte Baron Gustav von Koczian, wie er sich damals bevorzugt nannte. Gustav produzierte fünf Filme mit ihr, bevor sie 1925 von der UFA unter Vertrag genommen wurde. Im Herbst 1925 reiste Gustav nach New York, die Ehe mit Ossi wurde ca. 1926 wieder geschieden.

Nach insgesamt ca. 50 Stummfilmen gelang es Ossi nicht, in der neuen Tonfilmzeit Fuß zu fassen. Sie versuchte sich später noch als Theaterschauspielerin und Drehbuchautorin, starb aber völlig verarmt und vergessen im Alter von nur 51 Jahren in Prag.

Gustav v. Koczian Adresse Berlin 1919

Adressbucheintrag Gustav v. Koczian in Berlin, 1919

 

Else Dornonville de la Cour

Else Dornonville de la Cour

Else Dornonville de la Cour, „die reiche Amerikanerin“

Über Gustavs dritte Ehefrau, Else Dornonville de la Cour (23.6.1901-?) sind leider nur wenige Informationen verfügbar. Sie wurde im dänischen Århus als Kind einer prominenten (und vermutlich auch wohlhabenden) Familie geboren und lebte ab 1920 zeitweise in den USA. In einem Artikel der Jugendzeitschrift BRAVO über Johanna von Koczian aus dem Jahr 1966 wird sie als „reiche Amerikanerin“ tituliert. Sie arbeitete ab 1921 als Schauspielerin (meist unter dem Pseudonym „Elsie Fuller“), ab 1927 dann vorwiegend als Drehbuchautorin.

Gustav und Else heirateten am 3. Jänner 1927 in Los Angeles. Gustav war nach 1926 nicht mehr in Berlin gemeldet, lebte hauptsächlich in den USA und betätigte sich laut Heiratsurkunde als „Assistant Producer“. Er arbeitete in verschiedenen Positionen an Filmen mit, so zum Beispiel 1926 als „Military Technician“ am Film „Hotel Imperial“ und 1927 als „Technical Supervisor“ in „Barbed Wire“. Beide Filme wurden von Paramount produziert und hatten Pola Negri in der Hauptrolle. In den Motion Picture News von 1929 scheint er außerdem als „Business Representative“ des dänischen Schauspielers Otto Matiesen auf.

Nach fünf jahren war auch diese Ehe am Ende. Else beschuldigt Ihren Ehemann of departing from the dignified behavior of royalty (was immer das genau heißen mag) und reicht im Oktober 1932 die Scheidung ein. Aus der angekündigten Ehe mit einem Captain de Conti scheint aber nichts geworden zu sein, denn weitere fünf Jahre später reist sie immer noch als Else von Koczian.

Seither fehlt von Else fast jede Spur – bis auf eine, und die ist dafür sehr spannend: In einem Papier des FBI aus den 1940er Jahren werden seitenweise Sympathisanten und Mitglieder des „German-American Bund“, einer nationalsozialistischen Organisation in den USA, aufgelistet, darunter auch eine „Baroness Elsa von Koczian“. Sie wurde am 15. April 1940 von einem Mitarbeiter des FBI interviewt, weil sie den Wunsch verspürte, ein „paid employee of the Bureau“ zu werden – eine Doppelagentin gewissermaßen. Für sachdienliche Hinweise über ihren Verbleib bin ich sehr dankbar!

Else von Koczian Bewerbung FBI

Else von Koczian Bewerbung FBI

Weiter zu Teil 4

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