Die Meinungsmutigen: Herr Rosam, vergessen Sie den Blödsinn!

Als wir 1992 die Black•Box als erste Online-Community Österreichs (damals als „Mailbox“, heute vergleichbar mit einem „Social Network“) eröffneten, war es eines unserer wichtigsten Prinzipien, dass sich unsere User ausschliesslich unter ihren echten Namen registrieren und äußern durften. Wir nannten es das „Real-Name-Prinzip“.

Troll Avenue von zzathras777, Some Rights ReservedViele Jahre lang überprüften ehrenamtliche und zeitweise auch bezahlte Admins und Moderators jede einzelne Registrierung. Wir sahen im Telefonbuch nach, ob eine Person dieses Namens existierte, wir wählten die Nummer, sprachen mit dem neugewonnenen User oder überprüften den Account zumindest auf eine gewisse Plausibilität. Für den Zugang zur Erotik-Ecke „Intimzone“ verlangten wir sogar eine Ausweiskopie per Post oder Fax als Altersnachweis (E-Mail-Adressen gab es damals genausowenig wie Scanner, zumindest nicht in privaten Haushalten). Der Aufwand, den wir trieben, war gewaltig, und trotzdem gelang es findigen Usern immer wieder, uns an der Nase herumzuführen. Manche Fake-Accounts erlangten sogar einen gewissen Kult-Status unter unseren Nutzern, viele (männliche) User chatteten gerne mit der lasziven Tamara Hofmann, bis heute ist unbekannt, wer sich dahinter verbarg. Vermutlich war es ein Mann.

Wenn jetzt, 22 Jahre später, die Granden der alten Medien Rosam, Rainer und Fellner unter dem Label „die Meinungsmutigen“ ernsthaft fordern, dass man im Netz nur noch unter seinem richtigen Namen posten dürfe, dann kann ich das leider nur unter „Probleme von Neuland“ subsumieren. Unabhängig davon, ob so eine Strategie sinnvoll ist (was ich aus heutiger Sicht bezweifle) hat sich offensichtlich niemand überlegt, wie die Überprüfung der Identität der User tatsächlich funktionieren soll.

An den Problemen, die wir damals in der Black•Box hatten, hat sich bis heute nichts geändert – außer die Userzahlen. Wenn der Standard also gezwungen würde, die Identität seiner hunderttausenden registrierten User zu überprüfen, dann hätte er einen x-fach höheren Aufwand als wir jemals hatten. 10 bis 20 Registrierungen pro Tag können womöglich noch bewältigt werden. Aber 100 oder 500? Und mit welchem Effekt? Gar keinem. Jeder, der unter einem Phantasienamen posten will, würde das auch weiterhin können. Die Namen würden vielleicht ein wenig plausibler klingen – aber das wäre schon alles. Und wenn Herr Fellner in der Presse ankündigt, ab Juni auf oe24.at die „Klarnamen“-Policy einzuführen, dann wünsche ich ihm viel Spaß dabei. Die Trolle werden ihre Freude mit ihm haben.

Aber gibt es wirklich keine Möglichkeit? Natürlich gibt’s die, immerhin haben wir ja schon die Bürgerkarte, und mit der wäre es auch für private Anbieter (zumindest theoretisch) möglich, die Identität ihrer User festzustellen. Aber natürlich nur für die, die eine haben – und in Österreich leben. Die Medien wären also gezwungen, ihre Foren für „Ausländer“ und Menschen ohne Bürgerkarte zu sperren. Politisch würde das in einer Demokratie wohl niemand überleben. Nicht einmal in China… (o.k., lassen wir das).

Mir würden noch ein paar absurde Gedankenexperimente dazu einfallen, aber ich mach’s kurz: Herr Rosam, es gibt keine sinnvolle Möglichkeit, die User der Online-Foren zur Verwendung ihres echten Namens zu zwingen. Punkt. Und wenn Sie es mir nicht glauben, dann fragen Sie bei Facebook nach, die versuchen das ebenfalls von Anfang an durchzuziehen, mit mäßigem Erfolg – ich selbst habe dort vier Accounts. :-) Der einzige Grund, warum die meisten User auf Facebook unter ihrem richtigen Namen auftreten ist einfach der, dass sie Facebook als ihr virtuelles Wohnzimmer betrachten und von ihren Freunden gefunden und erkannt werden wollen. Diese Motivation fällt bei den Forentrollen weg, das Gegenteil ist der Fall.

Also bitte, vergessen Sie den Blödsinn wieder.

Post Scriptum, bevor ich mißverstanden werde: Ich wollte mich hier nur auf die Machbarkeit konzentrieren. Zu anderen Aspekten des Vorschlags der „Meinungsmutigen“ empfehle ich zum Beispiel das großartige Posting von Ingrid Brodnig.

Die Koczian-Familiengeschichte

Marktplatz Hohenmauth Panorama

Dieses Blog unterbricht seinen Tiefschlaf für eine kurze Durchsage:

Ich beschäftige mich ja seit einigen Jahren mit Familienforschung und das Thema hat mich mittlerweile so in Beschlag genommen, dass ich kürzlich mit Freunden und Partnern die GenSoup GmbH aus der Taufe gehoben habe. Bei GenSoup arbeiten wir an der Erstellung einer neuartigen Plattform für Online-Genealogie – mehr wird jetzt noch nicht verraten!

Marktplatz Hohenmauth
Der Marktplatz von Hohenmauth in Ostböhmen, dem heutigen Vysoké Mýto

Wie auch immer, so lange es GenSoup noch nicht gibt muss ich auf andere Plattformen ausweichen, und das eigene Blog ist dafür keine schlechte Basis. Daher freue ich mich, nun erste Ergebnisse aus meiner eigenen Familienforschung präsentieren zu können, die Geschichte der Familie Koczian aus Hohenmauth.

Die Koczians sind die Familie meiner Großmutter väterlicherseits und haben über die Jahrhunderte viele Geschichten und interessante Charaktere hervorgebracht, deshalb widmete ich ihnen einen großen Teil meiner bisherigen Recherchen. Weitere Geschichten folgen, wenn es meine Zeit erlaubt – auch über andere Familien gibt es viel zu sagen!

Bevor ich aber neue Projekte angehe werde ich erstmal die Koczian-Story noch weitererzählen. Insbesondere über das Leben von Gustav (ein Cousin meines Urgroßvaters) ist noch lange nicht alles gesagt. Stay tuned for updates!

6. Juli: Mongolisches Naadam-Volksfest in Baden bei Wien

Naadam-Bogenschütze - Foto: http://www.flickr.com/photos/pfassina/ - Some Rights ReservedEtwas Werbung in eigener Sache von anderer Baustelle:

Die Österreichisch-Mongolische Gesellschaft „OTSCHIR“ (die offizielle Freundschaftsgesellschaft) veranstaltet am 6. Juli 2013 (ab 11 Uhr vormittags) erstmals das traditionelle mongolische

Naadam-Fest

in Österreich und zwar auf der Trabrennbahn in Baden bei Wien.

Naadam ist in der Mongolei der Höhepunkt des Jahres und wird immer an drei Tagen im Juli begangen. Das Programm besteht aus den „drei männlichen Sportarten“ Pferderennen, Bogenschießen und Ringen. Nicht alle Details davon können allerdings 1:1 auf europäische Verhältnisse übertragen werden.

Das Pferderennen besteht beispielsweise in der Mongolei aus einem querfeldein-Streckenrennen über ca. 35 km, das üblicherweise von 8-10jährigen Kindern geritten wird. In Österreich hätten wir mit so etwas gleichermaßen Probleme mit dem Jugend-, dem Tier- und dem Flurschutz. Wir bemühen uns aber, dem Spirit von Naadam soweit als möglich treu zu bleiben, daher wird auch bei uns das Pferderennen von Kindern bestritten: Die sitzen allerdings nicht auf den Pferden, sondern, wie es sich für eine Trabrennbahn gehört, dahinter. Wir freuen uns über die Kooperation mit den Minitrabern!

Das Bogenschießen und die Ringkämpfe werden als offene Bewerbe abgehalten, alle Besucher (beim Bogenschießen auch Besucherinnen) sind eingeladen, sich vor Beginn der Wettkämpfe als Teilnehmer zu registrieren und in der Vorrunde ihr Können unter Beweis zu stellen. Die besten 16 haben die Chance, im k.o.-System bis ins Finale zu kommen und um den großen Preis zu kämpfen: Die Sieger erhalten je einen Flug von Wien nach Ulan Bator (und zurück), zur Verfügung gestellt von Turkish Airlines.

Für die kulinarische Versorgung des Festes sorgt übrigens das Team des Restaurants „heinrich’s“, das bereits im Vorfeld in die Kunst der Hushuur-Herstellung eingeweiht wurde. Hushuur sind gebratene mongolische Teigtaschen, ohne die ein Naadam kein Naadam ist. Nachdem es sich aber um ein Fest der österreichisch-mongolischen Freundschaft handelt gibt es natürlich auch österreichische Spezialitäten.

Wer also Lust hat, sich auf die Spuren Dschingis Khans zu begeben, ohne dafür in die Mongolei reisen zu müssen, ist herzlich dazu eingeladen, der Eintritt ist frei! Alle Infos zum Fest inklusive genaum Programm und Anreiseinfos gibt es auf der Website von OTSCHIR, auf Facebook und auf Google plus!