Jun 162013
 

Naadam-Bogenschütze - Foto: http://www.flickr.com/photos/pfassina/ - Some Rights ReservedEtwas Werbung in eigener Sache von anderer Baustelle:

Die Österreichisch-Mongolische Gesellschaft „OTSCHIR“ (die offizielle Freundschaftsgesellschaft) veranstaltet am 6. Juli 2013 (ab 11 Uhr vormittags) erstmals das traditionelle mongolische

Naadam-Fest

in Österreich und zwar auf der Trabrennbahn in Baden bei Wien.

Naadam ist in der Mongolei der Höhepunkt des Jahres und wird immer an drei Tagen im Juli begangen. Das Programm besteht aus den „drei männlichen Sportarten“ Pferderennen, Bogenschießen und Ringen. Nicht alle Details davon können allerdings 1:1 auf europäische Verhältnisse übertragen werden.

Das Pferderennen besteht beispielsweise in der Mongolei aus einem querfeldein-Streckenrennen über ca. 35 km, das üblicherweise von 8-10jährigen Kindern geritten wird. In Österreich hätten wir mit so etwas gleichermaßen Probleme mit dem Jugend-, dem Tier- und dem Flurschutz. Wir bemühen uns aber, dem Spirit von Naadam soweit als möglich treu zu bleiben, daher wird auch bei uns das Pferderennen von Kindern bestritten: Die sitzen allerdings nicht auf den Pferden, sondern, wie es sich für eine Trabrennbahn gehört, dahinter. Wir freuen uns über die Kooperation mit den Minitrabern!

Das Bogenschießen und die Ringkämpfe werden als offene Bewerbe abgehalten, alle Besucher (beim Bogenschießen auch Besucherinnen) sind eingeladen, sich vor Beginn der Wettkämpfe als Teilnehmer zu registrieren und in der Vorrunde ihr Können unter Beweis zu stellen. Die besten 16 haben die Chance, im k.o.-System bis ins Finale zu kommen und um den großen Preis zu kämpfen: Die Sieger erhalten je einen Flug von Wien nach Ulan Bator (und zurück), zur Verfügung gestellt von Turkish Airlines.

Für die kulinarische Versorgung des Festes sorgt übrigens das Team des Restaurants „heinrich’s“, das bereits im Vorfeld in die Kunst der Hushuur-Herstellung eingeweiht wurde. Hushuur sind gebratene mongolische Teigtaschen, ohne die ein Naadam kein Naadam ist. Nachdem es sich aber um ein Fest der österreichisch-mongolischen Freundschaft handelt gibt es natürlich auch österreichische Spezialitäten.

Wer also Lust hat, sich auf die Spuren Dschingis Khans zu begeben, ohne dafür in die Mongolei reisen zu müssen, ist herzlich dazu eingeladen, der Eintritt ist frei! Alle Infos zum Fest inklusive genaum Programm und Anreiseinfos gibt es auf der Website von OTSCHIR, auf Facebook und auf Google plus!

Nov 062011
 

 

 

Manuskript meines Referats bei der Vortragsveranstaltung „Discover Mongolia“ vom 4. November 2011 in der Hauptbücherei Wien.

 

Sehr geehrte Damen und Herren!

Ich will Ihnen eine Geschichte erzählen.

Wir schreiben das Jahr 1803. 600 Jahre nach dem Tod Dschingis Khans ist die Mongolei eine verarmte chinesische Kolonie, ausgebeutet von den Beamten der Manchu-Dynastie. Der Buddhismus, der erst 200 Jahre zuvor in der Mongolei eingeführt worden war, hatte bereits Wurzeln geschlagen. Die großen Klöster, die überall im Land entstanden, waren aber nicht nur Zentren für Kultur, Religion und Bildung. Unter den höheren buddhistischen Würdenträgern verbreiteten sich auch Korruption und Machtmißbrauch.

Die Noyon Hutagts waren eine lokale Reinkarnationslinie der „Gelben“ oder „Gelugpa“-Sekte des tibetischen Buddhismus in der Wüste Gobi. Der Junge namens Dulduitin Danzan Ravjaa (Дулдуйтын Данзанравжаа), über den ich heute sprechen will, war der 5. Vertreter dieser Linie, die nach dem Willen der chinesischen Machthaber eigentlich nicht mehr existieren sollte. Denn die früheren Inkarnationen waren bereits unangenehm aufgefallen, der 4. Noyon Hutagt wurde nach einer eskalierten Rauferei gar wegen Mordes hingerichtet. Daraufhin wurde die Suche nach der neuen Reinkarnation verboten.

Der kleine Danzan Ravjaa wuchs in ärmsten Verhältnissen auf. Sein Vater Dulduit war ein Landstreicher und hielt die Familie mit Gelegenheitsjobs gerade noch über Wasser. Seine Mutter starb bald nach seiner Geburt. Der kleine Ravjaa zog mit seinem Vater durch die Gobi und erfuhr am eigenen Leib, was es heißt, zur untersten Schicht der Gesellschaft zu gehören, eine Erfahrung, die für sein späteres Leben prägend sein sollte.

Nach mehreren legendären Begebenheiten wurde rasch klar, daß Ravjaa ein ganz besonderes Kind war. Er erkannte verschiedene Gegenstände und sein Pferd aus seinem früheren Leben, er verblüffte die Menschen mit seinen magischen Fähigkeiten und – bereits als Siebenjähriger – mit seiner Dichtkunst. Der Bub kam zur Ausbildung als „Tulku“, als reinkarnierter Heiliger, in ein großes Kloster. Zur Tarnung gab man ihm zunächst einen anderen Titel als den ihm zustehenden „Noyon Hutagt“. Erst nach Interventionen des Dalai Lama und des Panchen Lama in Peking durfte das Geheimnis gelüftet werden und er konnte seiner eigentlichen Berufung folgen.

In den nun folgenden Jahren entwickelte sich Danzan Ravjaa zu etwas, das man bei uns als Renaissancemenschen bezeichnen würde:

Er schrieb hunderte Gedichte und Lieder, für die er noch heute in der Mongolei berühmt ist. Sein Lied „Ulemjiin Chanar“, (Үлэмжийн чанар),das ich eingangs anspielte, kennt in der Mongolei jedes Kind. Seine Texte sind – oberflächlich betrachtet – meist kunstvoll gestrickte Oden an eine Frau, an ein Pferd oder an die Landschaft der Gobi, haben aber auch – mehr oder minder offensichtliche – spirituelle Dimensionen. Viele seiner Gedichte sind offen politisch oder sozialkritisch und prangern die Ungerechtigkeiten in der Gesellschaft an. Danzan Ravjaa war ein streitbarer Kämpfer für Gerechtigkeit, eine Eigenschaft, die ihn sein Leben kosten sollte.

Sein „Opus Magnum“ ist die Oper „Saran Khukhuu“, das Leben des Mondkuckuck. Theaterstücke und Opern waren zu dieser Zeit in der Mongolei fast völlig unbekannt, und diese Oper dauerte in ihrer Langfassung gleich ein Monat. Er errichtete dazu ein eigenes mehrstöckiges Theater mit ausgeklügelter Bühnentechnik, er ließ Kostüme anfertigen, gründete eine dazugehörige Schauspielschule und engagierte Frauen sowohl als Schauspielerinnen als auch für leitende Funktionen in seiner Truppe. Alles unerhörte Dinge zu dieser Zeit und in dieser gottverlassenen Gegend, mitten in der Wüste.

Apropos Frauen: Ein buddhistischer Mönch sollte mit Frauen eigentlich überhaupt nichts zu tun haben. Bei Ravjaa war es gerade umgekehrt. Es sind aber nicht nur seine Liebesbeziehungen, die hier erwähnenswert wären, er war auch und vor allem ein Vorkämpfer für die Rechte der Frauen. Hatte er sich schon mit seinem Theater und seinem Privatleben genug Ärger eingehandelt, so bestand er auch darauf, daß Frauen dieselbe Ausbildung wie Männer erhalten und dieselbe Wertschätzung in der Gesellschaft genießen sollten. So gründete er zum Beispiel für „seine“ Nomaden eine eigene Schule, in der Kinder ohne Ansehen des Standes und des Geschlechts koedukativ unterrichtet wurden. Ebenfalls alles unerhört in einer Gesellschaft, in der Bildung ein Privileg für Adelige und Mönche war.

Diese Aufzählungen seiner Heldentaten und Werke ließe sich noch lange fortsetzen: Er war ein bekannter Maler und Zeichner, er gründete das erste Museum und die erste öffentliche Bibliothek der Mongolei, er war ein Vorkämpfer für Hygiene und Körperpflege und hatte sogar eine eigene Badejurte, in die er die Nomaden zur Körperpflege einlud. Er schrieb Bücher über Medizin, war ein bekannter Heiler und Magier und viele Menschen kamen zur Behandlung zu ihm. Auch auf Reisen hatte er immer seine Kräuter dabei und um seine Behandlungserfolge ranken sich viele Legenden.

Nicht zuletzt war er auch das, als das er als Kind erkannt wurde: Ein verwirklichter buddhistischer Meister und Lehrer. Aber sogar in dieser Eigenschaft war er ein Querkopf: Er kümmerte sich nicht um die traditionellen Trennlinien und Querelen der älteren Rotmützen-Schulen mit den reformierten Gelbmützen, sondern er praktizierte und lehrte aus allen Schulen das, was er als nützlich ansah. Auch heute stehen in seinem wiedererrichteten Hauptkloster Khamariin Khiid ein „roter“ und ein „gelber“ Tempel nebeneinander. Ebenfalls unerhört.

Last, but not least, war er ein bekannter Trinker, eine Eigenschaft, die ihm – ebenso wie seine Beziehung zu Frauen – viele Probleme einbrachte: Danzan Ravjaa starb 1856, im Alter von nur 53 Jahren, an einer vergifteten Flasche Schnaps. Wer ihm das Gift zukommen ließ ist bis heute unklar. Eine populäre Theorie behauptet, daß sich die buddhistische Führungsspitze der Mongolei seiner entledigen wollte, da er auch immer wieder Korruption und Verfehlungen unter den eigenen Leuten erbarmungslos anprangerte. Wahrscheinlich war es aber eher so, daß er einem Komplott von Manchu-Beamten zum Opfer fiel, die es satt hatten, daß er seine Nomaden immer wieder gegen sie aufwiegelte.

Aus Angst vor Zerstörung seines Werkes durch die Manchu verpackten seine Mönche seine Habseligkeiten, Bücher und Schätze in über 1000 Kisten, stapelten diese im sogenannten „Weißen Tempel“ auf, setzten die mumifizierte Leiche in die Mitte und erklärten das Gebäude zum Grabmal. Denn nicht einmal chinesische Soldaten würden es wagen, eine Grabstätte zu Schänden. Auf diese Weise war das Vermächtnis Danzan Ravjaas – zumindest vorläufig – geschützt.

Der „Takhilch“, der Hüter seines Nachlasses, war ein gewisser Balchinjoichoo, er hatte ein auffälliges großes Geburtsmal auf dem Rücken. Die Legende sagt, daß in jeder Generation ein Nachkomme Balchinjoichoos dieses Geburtsmal haben wird, und dieser wird der nächste Takhilch sein.

Am Anfang der 1930er Jahre begann die Rote Armee gemeinsam mit den mongolischen Kommunisten die Klöster systematisch zu zerstören und auch das Grabmal Danzan Ravjaas war nun nicht mehr sicher. Der damalige Takhilch und Träger des Geburtsmales war Tuduv, der Ururenkel Balichinjoichoos. Er erkannte die Gefahr und fuhr jede Nacht mit einer Kiste hinaus in die Wüste, um sie zu vergraben. Nach 64 Kisten kamen die Soldaten und zerstörten Khamariin Khiid bis auf die Grundmauern.

Tuduv behielt sein Geheimnis für sich, bis 1960 sein dritter Enkel Altangerel geboren wurde. Auch Altangerel hatte das Geburtsmal und wurde unter völliger Geheimhaltung von Tuduv zum nächsten Takhilch ausgebildet. Er wurde vom Großvater nicht nur in den spirituellen Lehren und Traditionen Danzan Ravjaas unterwiesen, er mußte auch die Position und den Inhalt jeder einzelnen Kiste auswendig lernen.

Nach der Wende und nach dem Tod Tuduvs 1990 gründete Altangerel das Danzan Ravjaa Museum in Sainshand, der Hauptstadt der Provinz Dornogobi, und begann die Kisten zu heben und ihren Inhalt im Museum auszustellen. Im Jahre 2009 durfte ich mit einem österreichisch-mongolischen Team an der Ausgrabung von zwei dieser Kisten teilnehmen und diese live via Satellit ins Internet übertragen. Über 100.000 Menschen sahen uns dabei zu.

Warum taten wir das?

Im Westen hält sich bis heute das Stereotyp des ewig lächelnden buddhistischen Mönchleins, das weltabgewandt an der eigenen Erleuchtung arbeitet und sich sonst um nichts kümmert. Dieses Klischeebild entspricht leider nur allzu oft der Realität.

Wir wollten zeigen, wie Buddhisten auch sein können: Kraftvoll, streitbar, schützend, im besten Sinne politisch. Gegen Ungerechtigkeit und soziale Not, für Bildung und für die Rechte der Frauen, für Kultur und lebendige Spiritualität, gegen Korruption und erstarrte Dogmen.

Anscheinend brauchen wir dazu im Europa des 21. Jahrhunderts das Beispiel eines mongolischen Mönchs, der vor über 200 Jahren geboren wurde. Das ist für mich das Vermächtnis Danzan Ravjaas.

Nachtrag zum eingangs gespielten „Ulemjiin Chanar“: Auch Danzan Ravjaas Musik ist im besten Sinne modern. Sehen und hören sie selbst.

 

Zum Schluß, wenn wir noch Zeit haben, und es Sie noch interessiert, würde ich gerne unser Video von der Schatzsuche 2009 spielen:

 

Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit!

 

Mehr Informationen:

http://www.danzanravjaa.org/
http://www.gobi-treasure.com/

Okt 262011
 

Aus irgendeinem Grund häufen sich in diesem Herbst die Gelegenheiten, über vergangene Abenteuer zu erzählen. Hier die Termine:

Am Donnerstag, 27. Oktober nehme ich ab 18 Uhr an der Podiumsdiskussion „Sendeplatz“ über „Medien, öffentliche Meinung und Beteiligung“ teil. Ich berichte dort über die Erfahrungen, die wir mit der blackbox, der ersten österreichischen Online-Community, gesammelt haben. Ort: Wiener Planungswerkstatt, I., Friedrich-Schmidt-Platz 9.

Mehr über die Veranstaltung

blackbox – Forum für Politik und Gesellschaft

Am Freitag, 4. November halte ich um 15.55 Uhr ein Kurzreferat über den mongolischen Heiligen Danzan Ravjaa im Rahmen des „Discover Mongolia Day“ der Mongolischen Botschaft in Wien. Ort: Hauptbücherei, VII., Urban-Loritz-Platz 2

Das Programm der Veranstaltung ist noch nicht 100%ig fix. Mehr darüber auf http://www.mongolei.or.at/ sobald es veröffentlicht wird.

Gobi Treasure Hunt

Danzan Ravjaa

Am Donnerstag, 10. November berichte ich ab 19 Uhr gemeinsam mit Marion Breitschopf und Reinhard Leitner von unseren Abenteuern als „Team OTSCHIR“ bei der Mongol Rally 2011. Ort: Raiffeisenhaus Wien, II., Friedrich-Wilhelm-Raiffeisen-Platz 1.

Ankündigung folgt ebenfalls demnächst auf http://www.mongolei.or.at/.

Team OTSCHIR

Ich freue mich auf spannende Veranstaltungen und nettes Publikum!

Okt 182010
 

Nicht-Mongolen sind regelmäßig verwirrt, warum Mongolen anscheinend nur einen Namen haben und was eigentlich der Familienname ist. Um hier Abhilfe zu schaffen habe ich einen kleinen Leitfaden zusammengestellt. Möge er der interkulturellen Verständigung dienlich sein! :-)

Regel Nr. 1: Der Name

Jeder Mongole und jede Mongolin bekommt bei der Geburt einen Namen. Das ist der eigentliche Name, aus unserer Sicht erfüllt er die Funktion von Vor- und Nachnamen gemeinsam.

Regel Nr. 2: Der Vatersname

Nachdem die mongolischen Namen nicht wirklich eindeutig sind, führt jeder Mongole (hauptsächlich im offiziellen Verkehr) auch noch den Vatersnamen, also den Namen aus Regel Nr. 1, der dem Vater (manchmal auch dem Stiefvater) gegeben wurde. Er steht im Genitiv vor dem eigenen Namen, also „Vatersnamens Name“. Die Genitivendung ist meist „-in“ oder „-iin“, manchmal auch „-i“. Die Bedeutung ist possessiv, es heißt also dann „Bayasgalangiin Sergelen“, behelfsmäßig etwa übersetzt mit „der Sergelen vom Bayasgalan“. Üblicherweise wird der Vatersname jedoch mit dem ersten oder den ersten beiden Buchstaben abgekürzt, also „V. Name“ oder „Va. Name“. Ist das Kind unehelich oder der Vater unbekannt, so führt man bisweilen den Namen der Mutter als „Vatersnamen“, manchmal auch den Namen des Großvaters.

Regel Nr. 3: Der Clansname

Nach der Wende führte die Regierung auch noch zusätzlich den Clansnamen als Identifikationsmerkmal ein. Damals konnte sich jeder Mongole einem Clan zuordnen oder – unter bestimmten Voraussetzungen – einen neuen Clan gründen. Als Unterscheidungskriterium war der Clansname aber ein Schlag ins Wasser, denn die meisten Mongolen – so ein gängiges Bonmot – ordneten sich selbst dem Clan von Dschingis Khan zu. :-) Im alltäglichen Verkehr spielt der Clansname keine Rolle.

Regel Nr. 4: Der Rufname

Der Name, der unter Freunden und Bekannten wirklich wichtig ist, ist der, der nirgends steht, nämlich der Rufname, den sich jeder selbst gibt, meist entstanden aus einer Abkürzung oder Verballhornung des eigenen oder des Vatersnamens. So wird aus „Dawcharbajar“ ein „Dawchraa“ oder ein „Bajar“, aus „Zolbayar“ ein „Zoloo“, aus „Oyuntuya“ eine „Oyunaa“ und aus „Unenburen“ ein „Uchka“. Diese Rufnamen sind in der Mongolei nur im informellen Verkehr üblich. Sie werden aber im Kontakt mit Ausländern gerne verwendet, da sie gewöhnlich leichter auszusprechen sind. Die Regeln der Höflichkeit gelten für Ausländer nicht so streng wie für Mongolen.

Fazit für Gelbgesichter*:

Wenn man einen Mongolen oder eine Mongolin kennenlernt, dann sollte man darauf achten, mit welchem Namen sich die Person vorstellt, und diesen Namen kann man dann als Anrede verwenden. So einfach ist das…

*Gelbgesichter („шар царайт“) ist ein abfälliger Ausdruck für „Europäer“. Wer die „gelben“ sind ist wohl immer eine Frage des Standpunkts. :-)

Sep 132010
 

Anscheinend erst seit einigen Monaten kursiert in der Mongolei ein Foto, das angeblich den 5. Noyon Khutukt Danzan Ravjaa zeigt. Danzan Ravjaa war ein berühmter buddhistischer Meister, Gelehrter, Künstler und Sozialreformer, der im 19. Jahrhundert in der Wüste Gobi lebte und wirkte.

Angebliches Foto von Danzan Ravjaa

Angebliches Foto von Danzan Ravjaa

Das Problem daran: Danzan Ravjaa lebte von 1803 bis 1856. Die Daguerrotypie erfuhr erst ab 1839 eine gewisse Verbreitung. Das Bild zeigt unzweifelhaft einen relativ jungen Mann. Kann sich das ausgehen?

Und überhaupt: Alle Darstellungen von Danzan Ravjaa, zeitgenössische und jüngere, sehen anders aus. Hier eine kleine Auswahl (zum Vergrößern anklicken):

Bild im Danzan Ravjaa Museum in Sainshand, 20. Jahrhundert

Bild im Danzan Ravjaa Museum in Sainshand, 20. Jahrhundert

Gemälde im Tempel des Klosters Khamariin Khiid

Gemälde im Tempel des Klosters Khamariin Khiid

Mosaik im Kloster Khamariin Khiid, ca. 2006

Mosaik im Kloster Khamariin Khiid, ca. 2006

Büste vor dem Danzan Ravjaa Museum in Sainshand, spätes 20. Jhdt.

Büste vor dem Danzan Ravjaa Museum in Sainshand, spätes 20. Jhdt.

Bild aus dem Danzan Ravjaa Museum in Sainshand, 19. Jhdt.

Bild aus dem Danzan Ravjaa Museum in Sainshand, 19. Jhdt.

Kopf einer Statue in einer Mediationshöhle in der Nähe von Khamariin Khiid.

Kopf einer Statue in einer Mediationshöhle in der Nähe von Khamariin Khiid.

Vielleicht finde ich ja noch heraus, wie Danzan Ravjaa wirklich ausgesehen hat…

Für mehr Informationen über Danzan Ravjaa empfehle ich das ausgezeichnete Buch Lama of the Gobi von Michael Kohn sowie meinen Artikel über unsere Schatzsuche in diesem Blog.